Ausfahrt #7: Kalkar

Veröffentlicht am 9. Jun 2013 unter Kalkar, Tourtagebuch | Keine Kommentare
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Auch wenn wir mittlerweile mit komplexen Zahlen rechnen können und zwischenzeitlich die Erde von der Scheibe zur Kugel mutiert ist gilt auch heute noch: Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Und genau so verhält es sich auch mit der Strecke von Kleve nach Kalkar. Da das zwar einerseits sehr praktisch ist, wenn man schnell und vor allem früh ans Ziel will, andererseits aber auch etwas langweilig, biege ich an einem der Kreisverkehre links ab und lande bei Schloss Moyland. Dort finde ich mich mit meinem Fahrrad plötzlich inmitten einer Schar von Motorrädern wieder, die das Schloss, wie ich später erfahre, als ihren Startpunkt für eine Wohltätigkeitsfahrt gewählt haben. Schnell ein Foto vom Schloss geschossen und dann geht’s schon weiter. Bei der Ausfahrt begrüßt mich der Moylander Bürgermeister, der eigentlich der Biker wegen gekommen war. So kann’s gehen. Und: Ja, ich komme wieder. Irgendwann im Sommer und mit weniger Gepäck.

Nächster Halt: Städtisches Museum Kalkar. Im Eingangsbereich befindet sich zugleich die Touristeninformation, was in meinem Fall besonders praktisch ist, weil ich mir von einer netten Dame das Kalkarer Wappen erklären lassen kann. Wer es nicht kennen sollte: Auf einer typischen Wappenform mit rotem Hintergrund befinden sich drei Türme und ein weißes Schild. Das war’s. Ich lerne, dass es sich um ein nicht-sprechendes Wappen handelt und drei Türme in einem Wappen immer für eine starke Befestigung der Stadt stehen. Wären die Marketing-Leute damals vor knapp 1000 Jahren ähnlich drauf gewesen wie heute, hätte folglich jede Stadt drei Türme im Wappen. Ach was sag ich, wohl eher fünf. Aber damals hatte das wohl tatsächlich etwas zu bedeuten. Das Wappen, um noch etwas beim Thema zu bleiben, leitet sich übrigens aus dem Stadtsiegel ab, was neben den drei Türmen (klaro!) noch einen Drachen beheimatet. Ob das der aus Geldern sei frage ich. Drachen, so erfahre ich, stünden am Niederrhein für Sumpfgebiete. Da sie sich der Legende nach in eben solchem aufhielten. Die Städte drängten damals das Sumpfgebiet zurück und somit auch die Drachen. Wenn dem tatsächlich so ist wirft das natürlich ein ganz neues Licht auf den Gelderner Drachen. Man könnte ihn also mit ein wenig gutem Willen als ein Opfer mittelalterlicher Gentrifizierung bezeichnen.

Etwas später beziehe ich meinen Platz auf dem Marktplatz unterhalb einer Linde. Diese ist so alt und so groß, dass meine Palmen etwas mickrig wirken. Aber sie sind ja auch noch ganz jung und wenn man in den nächsten 500 Jahren (so alt ist nämlich eben jene Linde) ihre Plastikhülle behutsam dehnt, können sie vielleicht auch noch etwas wachsen. Fragt man Touristen wie Kalkarer nach ihren para_diesen kommen durchweg die selben drei Dinge. Marktplatz mit Linde, Kirche St. Nicolai und eine Mühle. Dann noch Kalkarer Likör und Bier – endlich. Beide wollen, auch aufgrund des morgigen freien Tags meiner Tour, erkundet werden. Das Mühlenbier schmeckt wunderbar, der Likör kommt dran sobald der Text fertig ist.

Wenn man, bevor man die Stadt erkundet knappe sechs Stunden auf diesem doch imposanten Marktplatz mit gotischem Rathaus und ebensolcher Kirche verbringt wundert man sich doch ein wenig, dass die Stadt jenseits des Marktplatzes quasi schon wieder aufhört. Ein paar kleine Geschäfte gibt es noch hier und da, aber nicht mehr so viele wie früher erzählt mir eine ältere Frau. Aber: Es gibt eine Ballon-Boutique und so etwas haben wir meines Wissens noch nicht einmal im doch weitaus größeren Mönchengladbach.

Soweit erst einmal aus Kalkar. Gleich wird zum sonntäglichen Tatort in der Spätausstrahlung Kalkarer Beginchen, ein laut Etikett mildes Kräuterelixier gereicht und morgen, ja, was mache ich eigentlich morgen? Zumindest nicht mit einem Anhänger rumfahren und auf Marktplätzen Leute anquatschen. Schauen wir mal…