Ausfahrt #8: Xanten

Veröffentlicht am 11. Jun 2013 unter Tourtagebuch | Keine Kommentare
  • blog_xan-1
  • blog_xan-2
  • blog_xan-3
  • blog_xan-4
  • blog_xan-5
  • blog_xan-6
  • blog_xan-7
  • blog_xan-14
  • blog_xan-15
  • blog_xan-17
  • blog_xan-16
  • blog_xan-8
  • blog_xan-9
  • blog_xan-10
  • blog_xan-11
  • blog_xan-12
  • blog_xan-13

Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen bei Krause Reisen – Reisen am Rande der Realität. Krause Reisen bietet Ihnen heute in Kooperation mit der Stadt Xanten die einmalige Möglichkeit die Vorzüge von Nord- und Südsee in unmittelbarer Abfolge zu genießen. Ganz ohne die sonst nötigen Ärgernisse wie Flug, Jetlag oder ähnliches. Und wenn Ihnen das noch nicht reicht, Alpen liegen, nein, liegt gleich neben an.

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt die zwei, drei Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen und nicht der Landstraße zu folgen sondern an den beiden Xantener Seen, die in einer wohl humoristischen Minute Nord- und Südsee getauft wurden, entlang zu radeln. Kurz hinter den Seen folgt die römische Vorstadtsiedlung, gefolgt vom historischen Stadtkern, gotischem Dom und allem was dazu gehört. Auch in Xanten gibt es einen Baum auf dem Marktplatz, allerdings ist es hier eine Eiche und nicht wie in Kalkar eine Linde. Auch scheint sie um einige hundert Jahre jünger zu sein. Aber das macht ja nichts, wie auch die Xantener finden. So langsam frage ich mich, warum nicht jeder größere Platz einen Baum in seiner Mitte sein Eigen nennt. Sollte mich in meinem weiteren Leben eine berufliche Neuorientierung zum Stadtplaner ereilen, so hoffe ich mich an diese Worte erinnern zu können.

Kommen wir zum Stadtwappen. Ich komme ja eh nicht drum rum. Leider habe ich keinen gefunden, der mir das Xantener Wappen erklären konnte, aber da ich ja spätestens seit Kalkar Wappen-Profi bin versuche ich mich mal an einer Eigeninterpretation. Wer es besser weiß, möge mich gerne berichtigen. Einfach bei Wikipedia abschreiben gilt natürlich nicht. Das Wappen (siehe Foto) besteht im groben aus zwei Schlüsseln, einem Kreuz, elf in der Umrandung angebrachten gelben Punkte und hat die übliche Wappenform. Ersteinmal: Es handelt sich um ein nicht-sprechendes Wappen. Das Kreuz symbolisiert, dass es sich um eine Domstadt handelt, die beiden Schlüssel stehen für die zwei Stadtgründungen, die römische und die mittelalterliche. Die elf gelben Kreise stehen für die elf Goldmünzen zu deren Preis die katholische Kirche den kompletten römischen Vorort einem Viehbauern abkaufte, der nach dem Untergang des römischen Reiches diesen verwaltete. Da die katholische Kirche wie jeder anständige Bauunternehmer lieber neu baut als zu restaurieren nahmen sie kurzerhand die auf dem Gebiet befindlichen Steine und nutzen sie zum Bau ihres Doms. Und da der Dom selbstverständlich um einiges höher wurde als die römischen Bauten macht an dieser Stelle der Begriff “upcycling” so richtig Sinn.

Kommen wir zurück ins Hier und Jetzt. Klar, die Xantener mögen ihren Marktplatz, wobei, wie eine Frau mir verrät, er vor zehn Jahren für die Xantener noch besser funktioniert hat. Mittlerweile ist er touristischer geworden und man lässt sich als Xantener dort nicht mehr so häufig blicken. Aber den Dom finden sie alle toll. Sei es aus Ehrfurcht, der Innenarchitektur wegen oder um in seinem Schatten eine Zigarette zu rauchen. Wobei, nicht ganz alle: Ein Mann verrät mir, dass er den Dom als bedrohlich empfindet, was mich wieder an ein Gespräch vor ein paar Tagen in Weeze erinnert. Dort ging es nicht um Kirchen sondern um Burgen. Eine heutige Militärbasis würde wohl keiner als, sagen wir romantisch bezeichnen, aber kaum ist sie ein paar hundert oder gar tausend Jahre alt ändert sich das Gefühl ihr gegenüber total. Toll, was ein bisschen Patina bewirken kann. Bezogen auf die katholische Kirche gibt es natürlich auch da vieles was, sagen wir freundlich, nicht so richtig optimal abgelaufen ist. Und so entsteht an meinem Stand eine angenehme Diskussion zwischen einigen Passaten, ob man beim Betrachten des Doms die mittelalterlichen Gräueltaten miteinbeziehen müsse oder nicht. Die Xantener sind in Plauderlaune. Wunderbar!

Das riesengroße Hüpfkissen im Archäologischen Park Xanten blieb mir leider verwehrt. Und wenn der Park morgen wieder aufmacht bin ich schon auf dem Weg nach Wesel auf die andere Rheinseite. Da könne man prima mit der Fähre übersetzen erzählt mir eine Passantin heute. Aber nix da. Alles per Rad. Und wenn das Wetter so bleibt fahre ich auch gerne wieder ein paar Kilometer mehr als nötig.

Die geschätzten 300 Vögel über mir im Baum haben gerade fluchtartig ihren Platz verlassen nachdem sie vorher mein Getippe mit einem Herrn Hitchcock würdigen Soundtrack untermalt haben. Sie werden wissen warum. Ich tue es ihnen gleich und mache mich auf den Rückweg zur Pension.