Ausfahrt #11: Kempen

Veröffentlicht am 14. Jun 2013 unter Tourtagebuch | Keine Kommentare
  • blog_kemp-1
  • blog_kemp-2
  • blog_kemp-3
  • blog_kemp-4
  • blog_kemp-5
  • blog_kemp-12
  • blog_kemp-13
  • blog_kemp-14
  • blog_kemp-15
  • blog_kemp-16
  • blog_kemp-17
  • blog_kemp-18
  • blog_kemp-19
  • blog_kemp-6
  • blog_kemp-7
  • blog_kemp-8
  • blog_kemp-9
  • blog_kemp-10
  • blog_kemp-11

Das war aber leider nichts, lieber Routenplaner. Die heutige Strecke von Kamp-Lintfort nach Kempen ist von kurzen Ausnahmen abgesehen nicht wirklich empfehlenswert. Wenig Landschaft, dafür viel Landstraße. Allerdings ernte ich mit dieser Aussage in Kempen nur Verwunderung. Denn scheinbar gibt es auch schöne Strecken für diesen Abschnitt der Tour. Die waren mir wohl heute nicht vergönnt, aber so konnte sich immerhin der bestimmt schon von dem ganzen Gewicht geschundene Anhänger dank des durchgängig glatten Asphalts etwas schonen, um morgen für die letzten knapp 25 Kilometer noch einmal die Zähne zusammen zu beißen.

In Kempen angekommen geht es erst einmal durch das Gewerbegebiet, was den wenig reizvollen Charme eines Gewerbegebietes versprüht. Aber dann geht’s ab in die Altstadt. Auf den ersten Blick scheint an jedem Haus ein Denkmal-Emblem befestigt zu sein. Und jedes einzelne Haus hat es auch verdient. Schön hier! Weiter geht’s auf den Buttermarkt, auf dem ich zum elften Mal während dieser Tour meinen para_dies-Stand aufbaue. Aber vorher gibt es erst einmal Kaffee und gute Gespräche und entspanntes Warten darauf, dass die Marktbeschicker Spargel, Blumenkohl und Ananas einpacken. Während Obst und Gemüse in den LKWs verschwinden und die Palmen dank Wasser und Luft auf ihre vorbestimmte Größe anwachsen, schauen die Markthändler doch etwas kritisch auf das was da passiert. Zugegeben, geschmacklich können meine Palmen wahrscheinlich mit nichts mithalten was auf dem Markt feilgeboten wird, aber dafür sind sie flexibel in der Größe und auch sonst eher anspruchslos im Unterhalt. Meine Ersatzpalme befindet sich immer noch in ihrer Originalverpackung. Zwar muss ich mittlerweile doch öfters mal ein wenig Luft nachschütten, aber diese Fürsorgebedürftigkeit verleiht den Luft-Gummi-Gemischen vielleicht auch einen Hauch von Lebendigkeit.

Achtung, jetzt folgt eine zu lehrbuchartige Überleitung: Lebendig geht es auch auf dem Buttermarkt zu. Ein toller Platz mit wunderbaren Bäumen und obendrein sehr entspannten Menschen. Und so erfahre ich selbstredend überaus häufig, dass der Buttermarkt das para_dies der Kempener ist. Sei es wegen des Marktes, der Events oder weil man hier eigentlich immer wen trifft, den man mal wieder treffen wollte. Eine Eisdiele gibt’s hier auch. Eine von zweien in der Innenstadt. Aber wenn die Kempener sich auch größtenteils einig über die Schönheit und Wohnlichkeit ihrer Stadt sind, herrscht in Puncto Eis doch ein Glaubenskrieg. Die einen schwören auf die große Eisdiele am Buttermarkt, die, wie ich erfahre, alle paar Jahre ihr komplettes Interieur auswechselt, für die anderen geht nichts über die kleine Eisdiele in einer Nebenstraße, die immer noch so ausschaut wie vor vierzig Jahren als sie in Kempen eröffnete. Da die kleinere die kleinere ist und obendrein Paradyso heißt, ist für mich vollkommen klar, wo ich meine heutige Ration Eis herbekomme. Und, was soll ich sagen. Sie machen eines der besten Vanille-Eise das ich je gegessen habe.

Lassen wir das Eis mal beiseite. Die Kempener schwärmen für ihre Stadt. Und mehrmals höre ich den Satz: Wer einmal hier gewohnt hat, kommt mit Sicherheit irgendwann wieder hierhin zurück. Aber es klingt weder hochnäsig noch arrogant, sondern einfach nur überzeugt. Sogar so überzeugt, dass mir gegen Ende meines Buttermarktaufenthalts das unmoralische Angebot gemacht wird, ich könne doch nach Kempen ziehen, wenn ich vielleicht doch mal aus Mönchengladbach weg wolle. Aber bevor ich mir jetzt irgendwelche Zukunftsphantasien ins Hirn schreiben lasse geht es erst einmal morgen in aller Frühe nach Mönchengladbach zurück. Die letzte Etappe wird mir vieles Bekannte bieten und dankenswerter Weise mit dem Erklimmen des Abteibergs enden, um dann am Brunnen am Altern Markt ein letztes Mal die Palmen aufzublasen.

Das Wappen. Schwierig zu erklären, leicht zu beschreiben. Von üblicher Form ist es unterteilt in vier Bereiche. Unten links ist es rot, unten rechts weiß, oben links zwei blaue Schlüssel auf weißem Grund, oben rechts Mondsichel plus Stern auf blauem Grund. Die Vierteilung lässt auf einen Kompromiss bei der Wappengestaltung schließen. Hier waren mehrere Parteien am Werk, die sich nicht einigen konnten. Oder zumindest wollte man keinen Schwerpunkt setzten. So wirkt das Wappen ein wenig unentschlossen und für meinen Geschmack hat es auch mindestens eine Farbe zu viel. Die weiße Fläche unten rechts wirk bei längerer Betrachtung nicht  weiß sondern leer. Das mag daran liegen, dass weiß auch als Hintergrundfarbe für die beiden Schlüssel gewählt wurde. Zu hart? Mag sein, aber vielleicht flüchte ich mich auch nur in die Kritik, um einer Interpretation zu entgehen. Wer weiß das schon…