Ausfahrt #12: Mönchengladbach

Veröffentlicht am 15. Jun 2013 unter Tourtagebuch | 6 Kommentare
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Mittlerweile bin ich wieder zu Hause angekommen, habe die para_dies-Kiste im Atelier abgestellt und den Kühlschrank wieder mit Inhalt gefüllt. Aber um gar nicht erst Fazit-Stimmung aufkommen zu lassen spule ich direkt mal an den Anfang des Tages zurück. Um 8 Uhr geht’s von Kempen aus los, um die knapp 25 km in aller Ruhe zurückradeln zu können. Denn bekanntermaßen ist es ja der letzte Nagel bei dem man sich auf den Daumen haut, die letzte Schraube die durchdreht, der letzte Kilometer, der einem einen platten Reifen beschert. Aber nichts von alledem ist passiert und so komme ich pünktlich um 10 Uhr auf dem Alten Markt in Mönchengladbach an. Das Wasser für die Palmen kommt aus einem nahe gelegenen Café, der Eimer zum transportieren des selbigen auch. Erwähnenswert ist dieser Umstand eigentlich nur, weil der Wirt etwas verwundert ist, dass ich keinen Eimer mit mir führe und das mit dem für ihn schlüssigen Satz kommentiert: Ein Soldat ziehe doch auch nicht ohne Gewehr in den Krieg. Ich sehe das selbstverständlich etwas anders und denke mir, was für den Soldat das Gewehr, sind für mich die Palmen. Sei’s drum. Es tun sich ganz andere Probleme am letzten Tag auf. Der Wind pfeift über den Marktplatz und so spielen wir das kurzzeitig lustige Palmen-wieder-aufstell-Spiel, bis schließlich der Fotograf einer hiesigen Tageszeitung mit in das Palmen-Ensamble integriert wird und dem Ganzen so ein wenig mehr Stabilität verleiht. Dem Wind folgt Wolkenbruch Nummer eins, auf den wiederum strahlender Sonnenschein folgt, worauf Wolkenbruch Nummer zwei sich über dem para_dies ergießt und dieser zur Versöhnung wiederum einen wunderbar blauen Himmel folgen lässt. Sicherlich wäre es auch ohne den Regen nett geworden, aber so bleibt am Ende der Tour zumindest die Gewissheit, dass ich verdammt gut ausgerüstet war und auch weitaus mehr Regenschauer über die zwei Wochen vertragen hätte. Aber ich rutsche schon wieder ins Fazit…

Kommen wir lieber zur Stadt. Ich beschreibe Mönchengladbach ja gerne mit den Worten, dass es die Stadt ist, die aufgrund ihrer zwei Hauptbahnhöfe im Guinness-Buch steht und ihren namensgebenden Fluss unter die Erde verbannt hat. Aber in Wirklichkeit mag ich die Stadt mit all ihren Eigenheiten sehr gerne und so bin ich gespant, was alles an bekannten und unbekannten para_diesen hereinkommt.  Und es geht direkt mit einer Überraschung los: Haus Westland lese ich auf einer Karte und mag meinen Augen kaum trauen. Manch ein Mönchengladbach nennt es auch gerne Haus Wasteland und drückt damit die Schandfleckhaftigkeit des Gebäudes aus. Aber mir wird glaubhaft versichert, dass dieses Gebäude aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet schön sein könne. Später am Tag fahr ich dort vorbei und muss zugeben, dass es stimmt. Die Gärten und Parks in ihrer Stadt mögen die Mönchengladbacher. Vorne Weg der Bunte Garten und der am Museum Abteiberg liegende ehemalige Klostergarten. Die Borussia ist selbstverständlich auch mit dabei und ich erfahre, dass sich die Kaulquappen am Schloss Rheydt besonders gut fangen lassen. Als aller letztes zieht das JHQ ins para_dies ein, das Joint Headquater der britischen Streitkräfte am Stadtrand. Wer es besichtigen will muss sich sputen, denn Ende des Jahres ziehen die Briten ab. Das vorletzte para_dies der Tour stammt von mir. Denn schließlich ist Mönchengladbach meine Heimatstadt und nur fordern und nicht selber machen gilt natürlich nicht. Welches es ist verrate ich aber nicht. Aber es wird wie all die anderen para_diese in der Sammlung auftauchen. Schon wieder drifte ich ins Fazit ab.

Es wird Zeit sich dem Wappen zu widmen. Leider muss ich gestehen das Wappen heute nicht in der Stadt gefunden zu haben. Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben, dann liefere ich es nach. Das heutige Wappen existiert noch gar nicht so lange, grad einmal knappe 40 Jahre. Der Stadtname selbst hat sich im Übrigen auch etliche Male geändert. Irgendwann war es München-Gladbach. Das ging aber gar nicht, weil all dachten Gladbach wäre ein Vorort von München. Aus fußballerischer Sicht doppelt tragisch. Dann wurde es zu Mönchen-Gladbach oder M’Gladbach und schließlich zu Mönchengladbach. Aber wahrscheinlich stellt die aktuelle Schreibweise auch nur einen Zwischenstand dar. Alles ist im Fluss, auch wenn man ihn nicht sieht. Zurück zum Wappen. Das ursprüngliche Wappen ist, wie es sich für ein ursprüngliches Wappen gehört, verschnörkelter und weniger grafisch als das Neue. Man könnte auch sagen: schöner. Wobei das natürlich Geschmackssache ist. Auf dem alten Wappen war noch der Fluss zu sehen, dann der heilige Vitus, der Schutzpatron der Stadt und ein, jetzt komme ich ins Schwimmen… Drache oder Löwe. Wenn’s ein Drache war ist’s klar. Denn seit Geldern wissen wir: Drache gleich Sumpf. Falls es doch ein Löwe ist tippe ich auf eine Anspielung auf den Tierpark. Das neue Wappen besteht aus drei Teilen. Und das hat ausnahmsweise mal keine christlichen Gründe sondern beruht auf dem Umstand, dass Mönchengladbach 1975 noch einmal neu zusammengesetzt wurde. Und zwar aus Wickrath, Rheydt und Gladbach. Manch ein Bürger scheint da heute noch drunter zu leiden und manch einer denkt: So langsam ist es aber auch mal gut! Also, drei Teile: Das mauerähnliche steht für Wickrath, der Abtsstab für Gladbach und das schwarze Kreuz auf gelbem Grund für Rhydt. Ich möchte gar nicht wissen, wie lange sie damals gestritten haben, ob jetzt Rheydt oder Gladbach rechts oder links hin kommt. Aber scheinbar hat sich Gladbach durchgesetzt.

Ein richtiges Fazit wird es sicherlich auch noch geben. Aber bis dahin lasse ich erst einmal ein paar Tage ins Land ziehen und gewöhne mich daran, nicht mehr den ganzen Tag fremde Leute anzuquatschen. Und sicherlich werde ich auch weniger in der Sonne stehen, denn vielmehr in ihr liegen. Aber auch jetzt schon kann ich sagen, dass es zwei wundervolle Wochen waren und ich sehr glücklich und dankbar bin, dass dieses Projekt Wirklichkeit werden konnte.

Bis zum Fazit!

6 Kommentare

  1. Peter
    16. Juni 2013

    Well done, Norbert !

  2. nela
    16. Juni 2013

    Diese Tour hat mir viele schöne Orte meiner Heimat gezeigt, die ich noch nicht kannte. Danke, dass wir Leser auf so amüsante Weise dabei sein durften!

  3. Arno
    16. Juni 2013

    Das Gladbacher Wappen findet sich im Innenhof des Rathaus Abtei, also direkt um die Ecke vom Alten Markt.

    • Norbert Krause
      16. Juni 2013

      Besten Dank Arno! Wollte da gestern auch nachschauen, aber da war das Tor zum Innenhof schon zu. Ich werd’s dann unter der Woche nachholen.

  4. Stefano Picco
    17. Juni 2013

    Das war eine tolle Tour und mein persönliches Résumé ist, das ich doch mal den einen oder anderen Ort, den du besucht hast ebenfalls besuchen werde :)

  5. rallemann
    20. Juni 2013

    Sehr unterhaltsam geschrieben, und tolle Bilder dabei, Nobbo.
    Bis bald in Block 15, dann aber mit dem einzig wahren Wappen der Stadt! :-)